Runder Tisch: Medienvertreter und Verantwortliche der Euroregion Pomerania e.V. kamen zum Pressegepräch zusammen. Foto: Andreas Schwarze (asc)

Pressegespräch bei der Euroregion Pomerania e.V.

Rück- und Ausblicke auf die Arbeit der Service- und BeratungsCentren (SBC) geworfen

Löcknitz. (ASC) Eingeladen am Donnerstagvormittag waren die Vertreter von Funk und Fernsehen um sich über die aktuellen Aktivitäten der Service- und BeratungsCentren (SBC) zu informieren, um eine Bilanz zu organisierten Veranstaltungen zu ziehen und über aktuelle und künftige deutsch-polnische Vorhaben informiert zu werden.

 

Runder Tisch: Medienvertreter und Verantwortliche der Euroregion Pomerania e.V. kamen zum Pressegepräch zusammen. Foto: Andreas Schwarze (asc)

Runder Tisch: Medienvertreter und Verantwortliche der Euroregion Pomerania e.V. kamen zum Pressegepräch zusammen. Foto: Andreas Schwarze (asc)

 

Den anwesenden Pressevertretern von NDR, NordKurier sowie Polen.pl standen Andrea Gronwald und Herr Paweł Bartnik (deutsche und polnische Geschäftsführung der Euroregion POMERANIA), Andreas Jonas (Geschäftsführer des Strausberger Technologie- und Innovationszentrums) sowie die Neubrandenburger SBC-Mitarbeiterin Renate Rabe zur Verfügung.

Geschäftsführerin Andrea Gronwald konnte sichtlich stolz darüber informieren, dass es mittlerweile 10 Standorte der SBC im Gebiet der Euroregion Pomerania gibt. So auf polnischer Seite unter anderem in Szczecin, Koszalin oder Debno. Neuerdings auch in Swinoujscie (Swinemünde). Auf deutscher Seite neu dazu gekommen ist der Standort Strausberg. Alle Standorte sind jeweils mit zwei Mitarbeiter besetzt – in aller Regel jeweils einem Muttersprachler – um die Anliegen der ratsuchenden Privatpersonen, Vereine, Institutionen doch vor allem aus der Wirtschaft kompetent zu koordinieren und zu vernetzen.

In Schwedt beispielsweise werde der Standortleiter Dr. Przemyslaw Jackowski neuerdings von Martin Hanf unterstützt. Er ist vielen Bewohnern der Grenzregion noch von der leider eingestellten Radiosendung SonntagsDeutsch bei Polskie Radio Szczecin bekannt.

Die Arbeit der Euroregion Pomerania e.V. wird mittlerweile in der fünften Förderperiode über das EU-Programm InterReg gefördert, nämlich mit 85 Prozent. Doch auch die Industrie- und Handelskammern in Vorpommern und Brandenburg sowie Kommunen und die kreisfreien Städte sind auf deutscher Seite der Oder Förderer der etablierten Dienstleistungen rund ums deutsch-polnische Miteinander mit immerhin 15 Prozent. Auf polnischer Seite finanziert und unterstützt die Wojewodschaft Zachodniopomorskie (Westpommern) die Standortarbeit.

Wer im Amtsbereich Gartz (Oder) einen Herzinfarkt erleidet, dem könnte in Gryfino (Greifenhagen) schnell geholfen werden

Paweł Bartnik von der Szczeciner Repräsentanz der Pomerania wünscht sich auch Verbesserungen im grenzübergreifenden Gesundheitssystem. Foto: asc

Paweł Bartnik von der Szczeciner Repräsentanz der Pomerania wünscht sich auch Verbesserungen im grenzübergreifenden Gesundheitssystem. Foto: asc

Größte Herausforderung ist und bleibt bei der Verständigung zwischen den beiden Ländern die Sprachbarriere. Selbst millionenschwere Förderprogramme in Szczecin und auch der unaufhaltsame Zuzug polnischer Familien auf deutscher Oderseite hätte bislang kaum etwas daran geändert das sich etwas ändert. Genau das sich etwas ändert, dass wünscht sich Paweł Bartnik von der Szczeciner Repräsentanz der Euroregion Pomerania. Doch auch wünscht er sich im medizinischen Bereich eine bessere Zusammenarbeit zwischen den Ländern. „Was bei den Polizeibehörden inzwischen gut klappt muss auch für das Rettungswesen funktionieren,“ sagte er. Und er nannte auch ein Beispiel: „Wenn Sie in Mescherin im Amtsbereich Gartz leben ist das Krankenhaus Gryfino nur 5 Minuten mit dem Auto entfernt. Dorthin könnten Patienten auch von deutscher Oderseite gebracht werden und müssten nicht erst in solch einer lebensbedrohenden Situation bis nach Prenzlau oder Schwedt gefahren oder sogar geflogen werden,“ so Paweł Bartnik weiter.

Doch wie könne das anhand der angesprochenen Sprachbarriere klappen? Telemedizin nennt er als Stichwort!

Nachholebedarf gäbe es auch noch bei den Abrechnungssystemen des polnischen Gesundheitsfond NFZ. Die gesetzliche polnische Krankenkasse würde sich nach seinen Angaben noch immer davor drücken – trotz EU-Richtlinien – Behandlungskosten polnischer Staatsbürger in der Bundesrepublik zu übernehmen. Aktuell sei ihm ein Fall eines Kindes bekannt das an Leukämie erkrankt ist, doch Bürokratie macht es unmöglich oder sehr schwer den jungen Menschen in der Uniklinik Greifswald behandeln zu lassen.

Der Leiter des neu eröffneten SBC Standortes in Strausberg kämpft derweil noch mit Lobbyarbeit für die deutsch-polnische Verständigung. So gäbe es gerade in der Handwerkerschaft noch Vorbehalte, man sei jedoch auf einem guten Weg diese abzubauen.

Abgebaut werden müssten aus Sicht von Pomerania Chefin Andrea Gronwald auch die Bürokratiehürden bei der Antragstellung für kleinere, grenzüberschreitende Projekte wie bei Begegnungsfesten in den Dörfern. So würden sich nach ihren Angaben immer mehr ehrenamtliche Bürgermeister davor scheuen, sich in ihrer Freizeit mit einem Papierkrieg „für ein paar Euro oder Zloty“ auseinander zu setzen. Die Geldgeber von InterReg wären ihrer Ansicht nach gut beraten die Antragsprozesse zu vereinfachen. Es ist sehr schade wenn zur Verfügung stehende Gelder sinnlos verfallen.

 

Zum guten Schluss gab es auch noch ein wenig Statistik:

– 6000 Teilnehmer bei Veranstaltungen wie Unternehmerforen, Infoveranstaltungen und Begegnungstreffen nahmen die Angebote des grenzüberschreitenden Netzwerk der Service- und BeratungsCentren (SBC) der Euroregion POMERANIA in seinem rund 20-jährigen Bestehen wahr

– an 39 Messen von der Schwedter InKontakt bis hin zur Pasewalker Leistungsshow beteiligte man sich mit Informationsangeboten

– qualifizierte 450 Kontaktanbahungen zwischen Unternehmen auf beiden Oderseiten sind mit Hilfe der SBC entstanden

Aus diesen Zahlen, der 20-jährigen Erfahrung heraus und auch aus einer Vielzahl von noch immer bestehenden Vorbehalten, Ängstlichkeit oder einfach aus Mentalitätsunterschieden heraus wird die vorbildliche Arbeit der gesamten Pomerania e.V. auch in den nächsten Jahr(zehnt)en ganz bestimmt unverzichtbar bleiben!

Mehr Informationen in deutscher und polnischer Sprache im WWW unter www.pomerania.net

Andreas stammt gebürtig aus Berlin-Pankow. Er lebt seit seiner Kindheit im Amtsbereich Gartz (Oder) - unmittelbar an der deutsch-polnischen Staatsgrenze. Er ist lange Zeit verantwortlicher Redakteur der Lokalausgabe Uckemark einer Wochenzeitung gewesen. Betreibt einen regionalen News-Blog, ist Fotoartist und kennt Szczecin und das polnische Umland wie seine Hosentasche. Seite Tochter Patrycja wächst zweisprachig auf.

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