Slowinzinischer Nationalpark an der polnischen Ostsee, Foto: www.pixabay.com

Eine Wanderung durch die “Polnische Sahara”

Meterhohe Dünen, idyllische Fischerdörfer, weißer, endloser Sand und flach abfallender Ostseestrand: Diese Eindrücke lassen sich in einem ca. 35 Kilometer langen Küstenabschnitt an der polnischen Ostseeküste finden. Rund 100 Kilometer nordwestlich von Danzig, zwischen den beiden Ortschaften Łeba (Leba) und Rowy (Rowe) gelegen, erstreckt sich der Słowiński Park Narodowy (Slowinzischer Nationalpark). Den Beinamen „Polnische Sahara“ verdankt dieser 1977 von der UNESCO zum Welt-Biosphärenreservat ernannte Nationalpark seinen bis zu 42 Meter hohen Wanderdünen, die jedes Jahr einige Meter landeinwärts „wandern“. Neben den markanten Wanderdünen bietet der Nationalpark dank seiner Fichtenwälder und der beiden Seen „Łebsko” und „Gardno” eine artenreiche Flora und Fauna (rund 250 Tierarten).

Reste der alten Kirche St. Nikolai, Foto: Polen.pl (CS).

Łeba – Tor zum Slowinzischen Nationalpark

Spuren des Ortes reichen bis ins 10. Jahrhundert zurück. Damals lag die Stadt noch unmittelbar an der Ostseeküste, allerdings trugen zahlreiche Überschwemmungen, Stürme sowie die Bedrohung durch die Wanderdünen zur Zerstörung des Ortes bei, sodass im 16. Jahrhundert Łeba landeinwärts neu errichtet wurde. Heute erinnert nur noch ein Fragment der St. Nikolai-Kirche an den Standort „Alt-Łebas“.

Gegenwärtig ist Łeba mit seinen zahlreichen kleinen Fischerhäusern, flachen Sandstränden, seiner gut ausgebauten Gastronomie und zahlreichen Rad- und Wanderwegen ein beliebtes Ferienziel und der ideale Startpunkt für einen Ausflug in den Nationalpark. Für den ca. acht Kilometer weiten Weg zur 42 Meter hohen Łączka Góra (Lontzkedüne) stehen neben den angesprochenen ausgebauten Rad- und Wanderwegen zahlreiche Fahrradverleihe sowie Elektrotaxen bereit.

In diesem Artikel möchte ich über einen Ausflug zu Fuß berichten, für den der Bahnhof von Łeba den Startpunkt darstellt. Es geht über die Straße ul. Henryka Sienkiewicza, die später in die ul. Turystyczna mündet. In Höhe der Pension „Bar Delfin“ biegt man links auf den „szlak czerwony“ (den roten Pfad), welcher den Weg in den Nationalpark weist. Schon bald findet man sich inmitten von Fichtenwäldern, die besonders im Sommer wertvollen Schatten spenden.

Die erste Sehenswürdigkeit lässt nicht lange auf sich warten: Nach ca. drei Kilometern erreicht man die kleine Ortschaft Rąbka (Rumbke). Hierbei lädt einerseits eine Ausstellung des Naturkundemuseums zum Verweilen ein, andererseits genießt man vom dortigen Aussichtsturm einen wundervollen Blick über den Łebsko-See sowie über den Nationalpark. Wer es etwas bequemer mag, kann auch bis nach Rąbka mit dem Auto fahren, es dort auf einem Parkplatz abstellen und zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit einer Elektrotaxe den Nationalpark erkunden.

Nach einer kurzen Rast geht es nun weiter über den roten Pfad zu einem Platz, der an das dunkelste Kapitel deutsch-polnischer Geschichte erinnert. Etwa auf halbem Weg zwischen Łeba und der Lontzkedüne befindet sich das ehemalige Raketenversuchsgelände der Wehrmacht, wo im Zweiten Weltkrieg Raketen des Typs „Rheintochter“ bzw. „Rheinbote“ getestet wurden. Nach dem Krieg wurde das Gelände von polnischer Seite zur Erforschung der Höhenatmosphäre mittels der Höhenforschungsraketen „Meteor-1“, „Meteor-2“, „Meteor-3“ genutzt. Heute befindet sich dort ein Museum, welches die Thematik dieser Einrichtung mit einigen Exponaten behandelt.

Weiter geht es über den roten Pfad – das Highlight der Wanderung rückt immer näher: Die Fichtenwälder lichten sich zunehmend, der Boden wird immer sandiger, die ersten kleinen Dünen werden sichtbar und schon bald erhebt sich die Lontzkedüne vor einem in die Höhe. Wer die Spitze dieser Düne erreicht, merkt schnell, dass der Slowinzische Nationalpark seinem Beinamen „Polnische Sahara“ alle Ehre macht.

Sand soweit das Auge reicht, der an manchen Sommertagen eine Temperatur von bis zu 50 C° erreichen kann. Hier wird man Zeuge eines unbarmherzigen Kampfes der Naturkräfte. Die an die Dünen angrenzende Vegetation wird durch den Sand schlichtweg „überrollt“. Was zurückbleibt, sind abgestorbene, teils bizarr verformte Baumreste, die dem ständigen Wind und Sand nicht trotzen konnten. Wendet man sich nun der Seeseite zu, lässt sich bereits die Ostsee erblicken. Nach einem kurzen Spaziergang lädt sie mit ihrem flach abfallenden Strand zu einer Abkühlung ein. An diesem Strandabschnitt befindet sich eine Weggabelung – folgt man weiterhin dem roten Pfad, so hat man nach rund 27 Kilometern Rowy erreicht und befindet sich am westlichen Ende des Nationalparks. Wählt man den grünen Pfad (zielony szlak turystyczny), erreicht man nach einer ca. acht Kilometer langen gemütlichen Strandwanderung den Ausgangspunkt des Ausflugs – Łeba. Dort kann man nun den Ausflug in einer der gemütlichen Bars oder Restaurants bei frischem Ostseefisch gemütlich ausklingen lassen.

Praktische Tipps

Anreise:

Je nachdem, ob man in den Hauptferienmonaten (Juni-August) oder in den übrigen Monaten anreist, gibt es einiges zu beachten. Zwar besitzt Łeba einen eigenen Bahnanschluss, dieser ist aber nur während der Sommerferien in Polen (27.06.15 – 31.08.15) aktiv. Eine Anreise mit der Bahn aus Danzig beispielsweise erfordert einen Umstieg in Lęborg (Lauenburg). Außerhalb der Sommerferien ist eine Weiterfahrt nach Łeba von Lęborg nur mit Bussen möglich. Doch auch der Busverkehr ist außerhalb der Sommerferien stark eingeschränkt. So gibt es von Danzig aus nur in den Sommerferien eine direkte Busverbindung nach Łeba. Von Gdingen (Gdynia) aus kann man außerhalb der Sommermonate lediglich an den Wochenenden Łeba direkt anfahren. Für eine Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Danzig aus müssen für die etwa 100 Kilometer lange Strecke ca. drei Stunden eingeplant werden.

Das Haus auf dem Kopf schult den Gleichgewichtssinn. Foto: Polen.pl (CS).

Unterkunft:

Łeba bietet ein breites Portfolio an Unterkunftsmöglichkeiten. Von einfachen, aber freundlich eingerichteten Gästezimmern bis hin zum luxuriösen, direkt am Strand gelegenen Hotel „Neptun“ ist für jeden etwas dabei. Allerdings kann es in den Sommermonaten zu Engpässen kommen, sodass eine rechtzeitige Buchung sinnvoll ist.

Eine Auswahl weiterer Attraktionen:

  • Eine Schifffahrt über den Łebsko-See zum Museumsdorf Kluki (Klucken)
  • Besuch des Labyrinths in Łeba
  • Das Haus auf dem Kopf
  • Der Fischerei- und Yachthafen
  • Hochseilgarten

Fazit:

Auch wenn die Anreise nach Łeba mit dem „Bummelzug“ und auf nicht immer perfekt ausgebauten Straßen etwas an eine „Ochsentour“ erinnert, so macht ein Aufenthalt in der „Polnischen Sahara“ diese mehr als wett. Der Charme eines kleinen Fischerstädtchens mit seinen zahlreichen touristischen Angeboten und eine einmalige Naturlandschaft machen einen Urlaub in Łeba zu einem ganz besonderen Erlebnis. In den Sommermonaten kann es am Strand „etwas eng“ werden. Wer sich mehr Ruhe und Abgeschiedenheit wünscht, reist außerhalb der Saison an – auch da kann man noch Glück mit dem Wetter haben, wie diese in der ersten Septemberhälfte aufgenommen Bilder beweisen.

 

 

Christian wurde 1982 in Polen geboren und siedelte zusammen mit seinen Eltern 1989 nach Deutschland über. Als studierter Übersetzer ist er sowohl in den beiden Sprachen als auch in beiden Kulturen heimisch. Besonders interessiert er sich für folgende Themen: Geschichte, Politik, Sport.

9 Kommentare

  • Christian

    22. November 2017 bei 11:21

    Hallo Irmhild,
    die einfache Entfernung zwischen Usedom und Leba beträgt 300 km. Für einen Tagesausflug dürfte das zu „sportlich“ sein.
    Allerdings ein Wochenende sollte auf jeden Fall möglich sein.
    Viele Grüße

    Antworten
  • Jens

    12. November 2016 bei 11:20

    Hallo Guido,

    ich habe natürlich noch nie die ganze Strecke daraufhin betrachtet; ich denke, da planst Du eine Premiere. 🙂 Aber ich wäre etwas skeptisch in Bezug auf das Laufen direkt am Strand: Ich bin oft die Strecken zwischen Dzwirzyno und Ustronie Morskie/Dabki gelaufen; dort geht es streckenweise, aber oft ist der Strand auch nicht nass genug, um dort festen Untergrund zu haben. Dann kann man zwar laufen, es strengt aber deutlich mehr an, als auf den Küstenwegen z.B. im Wald.

    Es gibt ein Projekt zum Radwanderweg zwischen Barth und Kolobrzeg (Kolberg) – http://barth.kolobrzeg.pl/de/ – allerdings ist das Projekt noch lange nicht abgeschlossen. An den Stellen, wo der Radweg entstanden ist, ist er prima.

    Generell dürftest Du Recht haben, dass man kaum in die Gefahr von Sackgassen kommen dürfte, meistens sind die „küstenbegleitenden Strecken“ gut beschildert und eindeutig erkennbar. Ich kann nur leider nicht für die ganze Strecke sprechen.

    Beste Grüße
    Jens

    Antworten
  • Christian

    7. November 2016 bei 11:17

    Hallo Guido,

    vielen Dank für Dein Lob!

    In den vergangenen Jahren hat sich in Polen hinsichtlich der Beschilderung von Wanderwegen/Fahrradwegen vieles zum Guten gewendet, wenngleich es an einigen Stellen noch etwas „hapern“ kann. Wir können bestätigen, dass der Abschnitt zwischen Dzwirzyno, KOLOBRZEG und Ustronie Morskie sehr gut ist. Die anderen Abschnitte scheinen aber ebenfalls gut zu sein. Alternativ gibt es noch den Radfernweg R10 der sich die Strecke mit dem Wanderweg teilt aber auch parallel zu ihm verläuft, wobei der Radweg, anscheinend an einigen Stellen noch Verbesserungsbedarf hat
    Im Internet gibt es Links dazu, vielleicht helfen diese weiter:
    http://www.hamburger-wanderjung.de/fernwanderweg_e9.htm
    http://weekend2go.de/ostsee-fernradweg-r10-bike-the-baltic/

    Viele Grüße und spannende Eindrücke
    Christian

    Antworten
  • Guido

    5. November 2016 bei 11:17

    Lieber Christian,
    ein toller Beitrag, eine schöne Seite!
    Ich werde vom 1. Mai bis Mitte August von Stralsund beginnend Richtung Tallin entlang der Ostseeküste laufen. Ich hoffe, daß ich einige Abschnitte direkt am Strand entlang laufen kann. Ich ziehe einen Wagen mit meinen Habseligkeiten hinter mir her.
    Mein Blog : http://www.abenteuerbaltikum.wordpress.com

    Nun meine Fragen:
    Gibt es parallel zur Küste Wege (Radwege) und sind diese womöglich sogar mit dem Zeichen für den Ostseeradweg bzw. Europawanderweg 9 gut ausgeschildert?
    Meine Befürchtung ist, in Sackgassen zu laufen und dann womöglich viele Kilometer zurück laufen zu müssen. Kann man also stets irgendwie parallel zur Küste laufen? Bei dieser flachen Topologie müßte das doch eigentlich gehen.
    2. Frage: kann man auf dem frisch gespülten Sandstreifen laufen, ist das ein einigermaßen fester Untergrund? Bei dieser Frage geht’s darum, ob der Sand so schön fein ist, daß er schön fest gespült ist. Sand ist beim Laufen kein Problem, wenn er nicht „bodenlos“ ist.

    Herzlicher Gruß, Guido

    Antworten
  • Jens

    13. Februar 2015 bei 11:16

    Hallo Wolfgang,

    Danke für das Lob, das freut uns. Euer Vorhaben ist ein Schönes, das wird sicher eine nette Tour. Was die Unterkünfte anbetrifft, gehe ich davon aus, dass es klappen sollte. Unsere Erfahrung ist, dass man in kleineren Pensionen oder einfachen Hotels familiär aufgenommen wird. Mit Deutsch und vielleicht etwas Englisch, ein paar polnischen Vokabeln und Händen und Füßen ist es noch immer gegangen. Bei den Preisen dürfte es in den kleineren Orten kein Problem sein, die größeren Orte gehen im Juni auch noch. Selbst in Kolberg findet man im Juni noch ganz gut Zimmer. Ob man immer direkt weitervermittelt wird, wage ich zu bezweifeln; darauf würde ich mich nicht verlassen. So gut sind die Kontakte zwischen den Orten oft nicht. Aber vor Ort gibt es eigentlich fast überall eine Art Tourismusbüro.

    Viele Grüße und eine schöne Reiseplanung,
    Jens

    Antworten
  • Wolfgang

    13. Februar 2015 bei 11:16

    Hallo,
    Lob für die Seite, Respekt der Arbeit, danke. Folgerung:
    Ich haben die Idee im Juni 2015 mit dem Stettin bis OLSZTYN, Allenstein mit Fahrrad zu fahren, mit meiner frau. Richtung Kolberg, bei Danzig auch die „Wüste“, längs der alten „preussischen Ostbahn“ evtl. auch mit dem Zug. Zum Ende etwas Masuren.
    Frage, gib es Bed&Breakfast, Privatzimmer, kleine Hotels, Pensionen, muß nicht Dumpingpreiss ein aber mehr als im Thürigner Wald, am Hainich oder an der Ostsee ausserhalb von Boltenhagen oder Heringsdorf auch nicht. Vermiteln die Gastgeber weiter für den nächsten Abend auf Wunsch, ohne gute Sprachkenntnis wird es am Telefon schwer?

    Gruss

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