Herzhafte Pierogi

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World Pierogi Day: Smacznego!

Was gibt es heute zu essen? Eventuell Pierogi? Dann holt die Geburtstagstortenkerzen aus dem Schrank, stecht sie in die Pierogi und schon kann der „World Pierogi Day“ losgehen. Ja genau, jedes Jahr am 8. Oktober feiern wir den Welttag der Pierogi (nur Nicht-Polenkenner nennen sie Piroggen). Warum es diesen Tag gibt? Keine Ahnung. Was wir genau feiern? Unklar. Wer den Feiertag erdacht hat? Unbekannt. Warum am 8. Oktober? Absolute Willkür.

Pierogi: ein Allroundtalent

Pierogi sind die polnische Antwort auf italienische Ravioli oder chinesische Wantans, also gefüllte Teigtaschen. Das Wort Pieróg geht laut Wikipedia wohl auf das urslawische *pirъ ‘Fest, Gelage’ zurück und findet sich in allen ost- und westslawischen Sprachen (russ. пирог, eigentlich ‘Kuchen’, poln. pieróg, tschech. und slowak. piroh), aber auch im baltischen Sprachraum (lett. pīrāgs bzw. Diminutiv pīrādziņš). Klassische Füllungen sind Kartoffelpüree, Sauerkraut, Speck, Würstchen, Fleisch und/oder Zwiebeln. Die berühmten Pierogi ruskie sind mit Kartoffelpüree und Frischkäse gefüllt. Es gibt aber auch süße Füllungen, bestehend aus Quark und Rosinen, Erdbeeren, Kirschen oder Heidelbeeren. Den Füllmöglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt, beispielsweise gibt es immer mehr vegetarische Varianten oder ausgefallene Kreationen wie rote Linsen mit Käse, Spinat und Pilzen. Beim Anrichten sind die Verhältnisse jedoch klar: Die herzhaften Varianten werden traditionell mit zerlassener Butter und Schmorzwiebeln serviert und die süßen Pierogi in massig Zucker gewälzt. Laut einer US-amerikanischen Internetseite werden Dessert-Pierogi auch mit „applesauce, maple syrup, chocolate sauce and/or whipped cream“ (Apfelmus, Ahornsirup, Schokoladensoße und/oder Schlagsahne) gegessen. Doch jedes Mal, wenn Pierogi in Apfelmus oder Schokoladensoße ertränkt werden, stirbt ein Pierogikoch. Also überlegt’s Euch.

Pierogi mit Heidelbeerfüllung (Quelle: commons.wikimedia.org)

In der Regel besteht eine Portion Pierogi aus 6 Teigtäschchen. Außerdem sind sie gerne der einzige Star auf dem Teller, soll heißen, dass sie weder als Beilage dienen noch einer weiteren Beilage bedürfen.

Alle lieben Pierogi: ob alt, ob jung, ob arm, ob reich. Man findet sie in teuren Edellokalen, einfachen Restaurants, Kneipen, Bistros und den typisch polnischen Milchbars. Übrigens: Wer bei polnischen Milchbars noch immer an poppige Vintage-Cafés und Milchshakes mit Sahnehaube und Kirsche denkt, dem empfehle ich die Lektüre dieses Artikels. Die Beliebtheit dieser kleinen Alleskönner zeigt sich auch daran, dass es in Polen sogar auf Pierogi spezialisierte Gaststätten gibt: pierogarnie (in der Einzahl pierogarnia). Aufgrund ihres hohen Kalorien- und Kohlenhydratgehalts, des günstigen Wareneinsatzes und relativ einfachen Herstellung, waren Pierogi schon bei Bauern und Feldarbeiten im Mittelalter beliebt. So wurden sie schnell zu einem der beliebtesten Gerichte Polens.

Selbstgemacht schmeckt’s am Besten, doch wenn man zwar Lust auf Pierogi hat, aber weder welche in aufwendiger Handarbeit zubereiten noch das Haus verlassen möchte, gibt es die Möglichkeit, fertige Pierogi (entweder gekühlt oder gefroren) in Supermärkten zu kaufen. Auch in deutschen Supermärkten sind die polnischen Teigtaschen immer häufiger anzutreffen. Sie eignen sich wirklich hervorragend als häusliches Fast Food, da sie in wenigen Minuten zubereitet sind.

Alles Gute, liebe Pierogi!

Es gibt zahlreiche Veranstaltungen und Festivitäten rund um die Pierogi, nicht nur am 8. Oktober: Das Baseball-Team der Pittsburgh Pirates (USA) veranstaltet bei jedem Heimspiel ein Pierogi-Rennen. Sechs Pierogi-Kostümträger (Potato Pete, Jalapeño Hannah, Cheese Chester, Sauerkraut Saul, Oliver Onion und Bacon Burt) laufen zwischen den Innings ins Ziel. In Whiting, Indiana (USA), wird jedes Jahr im Juli ein Pierogi-Fest auf die Beine gestellt. In Glendon, Alberta (Kanada), befindet sich ein 6 000 Pfund schwerer Pieróg, der 25 Fuß hoch ist und aus robustem Fiberglas und Stahl gefertigt ist.

Der kanadische Riesen-Pieróg (Quelle: commons.wikimedia.org)

 

Wenn Du von diesem Tag noch nie etwas mitbekommen hast, liegt es vielleicht daran, dass er vor allem in den USA gefeiert wird. Wenn wir aber schon Halloween aus den Staaten übernommen haben, können wir uns doch auch den Welttag der Pierogi zu eigen machen, oder?

Thomas ist studierter Übersetzer und Dolmetscher für Deutsch, Spanisch und Polnisch. Seine Familie stammt aus Opole/Polen, er selbst ist in Wiesbaden geboren. Er ist dreisprachig – Deutsch, Schlesisch, Polnisch – aufgewachsen und hat bereits früh seine Affinität zu Sprachen und Kulturen entdeckt. Sein Studium absolvierte er in Germersheim und nun wohnt er in Neustadt an der Weinstraße. Außerdem kocht (und isst) er leidenschaftlich gerne.

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